Wer in die Wüste geht und wiederkehrt, ist nicht mehr der Selbe.

Dieses arabische Sprichwort hat uns während unserer Exkursion durch die Wüste Jordaniens begleitet. Schon Prior Ralph verabschiedete uns am Montagabend (7.9.) mit diesen Worten. Und sowohl das arabische Sprichwort wie auch Prior Ralph sollten in diesem Falle Recht behalten.

Tage zuvor begannen schon unsere Vorbereitungen. StudienjährlerInnen entwickelten auf einmal Fähigkeiten von Meisterfriseuren und so wurden Männlein wie Weiblein wüstentauglich gestylt. Letzte Besorgungen bezüglich Hygieneartikeln und Wanderzubehör wurden getätigt und dann waren alle startklar.

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Am Dienstagmorgen ging es in der Früh los nach Jordanien. Schwer bepackt mit Wüstengepäck und Wanderausrüstung machten sich die 21 Studierenden, der Studiendekan Thomas Fornet-Ponse, die Studienassistenten Steffen Götze und Peer Otte und unser Studienpräfekt Bruder Simeon auf nach Jordanien. Nach einer längeren Busfahrt kamen wir dann am frühen Nachmittag mit unserem Guide Ahmad im Wadi Rum an – und los ging unsere Reise. Die Sicht war bedingt durch einen syrischen Sandsturm, der sich noch einige Tage halten sollte, recht eigeschränkt. Nach einer kürzeren Wanderung erreichten wir unser erstes Nachtlager. Die Beduinen erwarteten uns bereits mit Tee und einem aufgebautem Diwan – einem Anblick, der uns nun regelmäßig begegnen sollten – und wir durften einen ersten Eindruck von den reichhaltigen Mahlzeiten bekommen, die uns die nächsten 6 Tage erwarteten.

Am nächsten Tag traten wir dann unsere Wanderung tiefer in das Wadi Rum hinein an. Wir besichtigten die Laurence Quelle, nabatäische Wasseraufbereitungsbecken und das Laurencehaus. Unser zweites Nachtlager war weniger windgeschützt gelegen, sodass wir alle am nächsten Morgen mit einer Sandmaske im Gesicht aufwachten.

Der Donnerstag hielt eine kurze Wanderung zu unserem dritten Lager für uns bereit, welches unser neues „Zuhause“ für die nächsten drei Nächte sein sollte. Dabei passierten wir eine Felsbrücke, die von unseren mutigen Teilnehmern erklommen wurde. Der Nachmittag stand dann zur freien Verfügung, was die einen zum Ausruhen und Dösen im Schatten der Felsen nutzen und die anderen eher zu eigenen Entdeckungstouren ermutigte. Doch alle konnten mit Freude feststellen, dass die Sicht klarer wurde und wir unsere Umgebung besser wahrnehmen konnten.

Auf der Hälfte unserer Zeit im Wadi Rum erwartete uns der Wüstentag. Obwohl jeder Tag für uns auf seine Art und Weise ein Tag in der Wüste war, hat der Wüstentag der Exkursion im Studienjahr noch einmal eine ganz eigene und besondere Bedeutung. Dieser Tag ist zur Einkehr gedacht. Nach dem Frühstück wurden wir von Bruder Simeon mit einigen erbauenden Worten in die Einsamkeit entlassen. Jeder und jede von uns machte sich dann auf zu einem selbstgewählten Platz in der Nähe des Lagers und verbrachte den Tag in Schweigen, Bibel lesend, Eindrücke sammelnd. Beendet wurde diese recht besondere Zeit mit einem gemeinsamen Gottesdienst.

Tag fünf in der Wüste hielt für unsere Gruppe ein starkes Kontrastprogramm zum Vortag bereit. Morgens wurden wir mit Jeeps abgeholt und auf den Ladeflächen zum höchsten Berg Jordaniens (Dschabal Umm ad-Dami) transportiert. Dabei konnten wir die Wüstenlandschaft richtig genießen und hatten noch einmal einen anderen Eindruck der felsigen Landschaft. Außerdem lieferten sich die Beduinen am Steuer der Jeeps kleine Rennen und Verfolgungsjagden – ein Spaß für (fast) alle Autoinsassen. Am Abend erwartete uns dann eine Überraschung. Wir bekamen zum einen den ersten Skorpion auf dieser Reise zu sehen und zum anderen regnete es – in der Wüste! Trotz einer Wettervorhersage von 0% Regenwahrscheinlichkeit sollten wir in den nächsten Nächten immer mal wieder eine kurze regnerische Erfrischung bekommen.

Der Sonntag verlief wieder recht ruhig. Nach einer kurzen Wanderung zum letzten Nachtlager im Wadi Rum hatten wir noch etwas Zeit für uns. Am Nachmittag durften wir Zeugen eines beeindruckenden Naturschauspiels namens Sandsturm mit Böen und Windhosen werden – ein Spektakel an special effects, welches unsere Studienassistenten liebevoller Weise für Femke zu ihrem Geburtstag an dem Tag bestellt hatten.

Am Montag verließen wir dann mit einer kurzen Jeepfahrt das Wadi Rum und fuhren in einem Reisebus bis zum Wadi Hesa, in dem wir am Nachmittag hinabstiegen. Das Wadi Hesa führt ganzjährig Wasser und so war es ein ansprechender und wirklich grüner Kontrast zu dem kargen, sandigen und trockenen Wadi Rum. Entlang des Baches liefen wir dann bis zu unserem Nachtlager – das an einem Wasserfall lag. Das erste Mal „waschen“ nach 7 Tagen wurde von allen dankend ausgenutzt und trotz Algen und Wasserbewohnern nahmen alle eine Dusche im Wasserlauf. Auf unserem Weg zum Nachtlager wurde Laurens jedoch beim Feuerholzsammeln von einer Hornisse in die Oberlippe gestochen. Das war nicht nur schmerzhaft, sondern sein Gesicht schwoll auch an.

Am nächsten Morgen wurde deshalb beschlossen, dass wir vorzeitig das Wadi Hesa verlassen und Laurens zum Arzt kommt, da das Hornissengift sich weiter in seinem Gesicht verteilt hatte. So zogen wir unseren Weg zurück und wurden nach einer unfreiwilligen Mittagspause im Niemandsland von unserem Reisebus nach Kerak, wo Laurens einen Arzt aufsuchen konnte und wir die Kreuzfahrerfestung Crac des Moabites besichtigten. Für viele war dieses kulturelle Programm nach den Wüstentagen in Abgeschiedenheit eine echte Erholung. Andere bedauerten unseren früheren Aufbruch aus dem Wadi Hesa. Eines hatten wir jedoch alle gemeinsam: am Abend erreichten wir, einen Tag früher als gedacht, das Franziskanerkloster auf dem Berg Nebo – unser letztes Lager der Reise für die nächsten zwei Nächte. Der Blick auf die Umgebung war sehr eindrücklich. Zu unserer großen Freude durften wir bei den Franziskanern eine richtige Dusche einnehmen, ein wahrer Genuss für unsere Gruppe. Nachts zog ein Gewitter auf, sodass wir nach dem Luxus der Reinigung auch noch eine Übernachtung im Gästehaus des Klosters beschert bekamen. Alle waren recht froh, dass wir bei dem Unwetter nicht mehr im Wadi Hesa waren und am nächsten Tag sollten wir erfahren, dass die geplante Übernachtungsstätte durch die Regenfälle einen Meter unter Wasser stand.

Bedingt durch den verfrühten Aufbruch aus der Wüste in die Zivilisation improvisierten unser Guide Ahmad und die Studienleitung rasch ein ansprechendes Alternativprogramm. So konnten wir am Mittwoch in aller Ruhe die beiden Dekapolisstädte Jerash/Gerasa und Gadara entdecken. Abends hielt Laurens dann für die Gruppe einen Taizé-Gottesdienst, der das Ende unserer Reise einläutete. Nach einer weiteren Nacht auf dem Nebo brachen wir am Donnerstag die Heimreise an. Zuvor wurde noch die Mosaikkarte von Madaba, die herodianische Festung Machärus, in der Johannes der Täufer enthauptet worden sein soll, sowie die Taufstelle Jesu am Jordan besichtigen. Der Grenzübergang an der Allenby/King-Hussein-Bridge war auch alsbald hinter uns gebracht und so saßen wir alle im Bus nach Hause, nach Jerusalem.

Ahmad meinte bei seiner Verabschiedung zu uns, dass Jordanien wie eine ansteckende Krankheit sei. Hat man sie einmal erwischt, würde man sie auch nicht mehr los. Festzustellen ist, dass wir in den Tagen nach unserer Rückkehr alle gedanklich noch stark in Jordanien und in der Wüste hängen. Wir StudienjährlerInnen werden noch von den Eindrücken dieses Abenteuers begleitet. Inwieweit sie zu einer ansteckenden Krankheit werden, die wir nicht mehr loswerden, wird sich dann zeigen. Eindeutig ist jedoch, dass diese Krankheit sehr zuträglich für unsere Studierendengruppe war – haben wir uns vorher schon gut verstanden, so ist der Zusammenhalt untereinander nach diesen spannenden Tagen nur noch stärker geworden. In Bezug auf das 42. Studienjahr sollten also Prior Ralph und das arabische Sprichwort Recht behalten: wir sind nicht mehr die Selben, sondern eine glückliche Gruppe von Studierenden, die gemeinsam stolz auf diese Auftaktexkursion zurückblicken darf.

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