Und über dem allen, mein Sohn, lass dich warnen; denn des vielen Büchermachens ist kein Ende, und viel Studieren macht den Leib müde. (Pred 12,12)

Kurz nach unserer Exkursion nach Jordanien hat der Universitätsbetrieb seinen normalen und geregelten Lauf genommen. Dies war ein gutes Kontrastprogramm zu der Jordanienexkursion, da wir uns nun – nachdem wir ein persönliches Bild voneinander gewinnen konnten – unsere akademischen Stärken und Vorlieben präsentieren durften. Andreas Holzem und Volker Leppin starteten direkt mit der ersten Veranstaltung zu unserem Jahresthema, das Handeln Gottes in der Geschichte. In dem Seminar der beiden Professoren beschäftigten wir uns mit der Rechtfertigungslehre aus evangelischer und katholischer Sicht. Dies war für alle sehr spannend und der Dikussionsertrag war auch nach den Sitzungen recht ansehnlich. Frau Professorin Axt-Piscalar konnte dann mit ihrer Veranstaltung zum Handeln Gottes aus dogmatischer Sicht sehr gut auf das bereits erlernte aufbauen und wir lernten die Vorteile des Studienjahres sehr zu schätzen, dass die Lerninhalte nicht nur wesentlich intensiver vermittelt werden (aufgrund ihrer komprimierten Form in Blöcken), sondern die Verknüpfung der Erträge durch die zeitlich recht enggefassten Räume anders und schneller vollzogen wird als im bisher gewohnten Unialltag. Mark Sheridan führte uns in die Welt der Ostkirche ein und illustrierte dies mit ansehnlichen Anekdoten und privaten Bildern von ökumenischen Dialogen, die er geführt hat. Abt Gregory Collins brachte uns die christliche Mystik auf spannende und lebhafte Weise nahe und unser Studiendekan Thomas Fornet-Ponse nimmt gemeinsam mit uns die Frage, (wie) Gott in der Geschichte handelt, noch einmal genauer unter der Lupe. Gunnar Lehmann führte uns im Crashkurs durch die Grundlagen der biblischen Archäologie und die Funde zur vermutlichen Geschichte des israelitischen Volkes. So sind wir mitten in unserem Thema und zugleich mitten im ökumenischen Geschehen.

Begleitet wurde unser Unileben in den letzten Wochen von den jüdischen Feiertagen, in die wir durch zahlreiche Angebote im Land einen Einblick gewinnen konnten. So besuchten einige Studierende Synagogengottesdienste zu Yom Kippur und während Sukkot zierte eine Sukka unseren Garten, welche von einigen Männern und unserem Gärtner Baruch errichtet wurde. 8 Tage lang war die Laubhütte ein beliebter Treffpunkt für Studenten und Studentinnen, sowie Professoren und die Professorin, in welcher auch hitzige Debatten über die Veranstaltungsinhalte geführt werden konnten.

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Letzte Woche besuchten wir Tel-Aviv. Dort durften wir einen Einblick in die Arbeit der Deutschen Botschaft in Israel erlangen, haben uns das weiße Viertel mit dem recht ansehlichen Bauhaus-Stil angeschaut und wurden von Prof. Dr. Asa Kasher mit einem Vortrag zur israelischen Bioethik in der Universität von Tel-Aviv empfangen. Tamar Avraham eröffnete die neue Woche mit einer spannenden Tagesexkursion durch Ost-Jerusalem und die jüdischen Siedlungen, welche uns die Politik und Konfliktsituation des Landes plastisch vor Augen führte. Dies war sehr lehrreich für uns und hat unseren Horizont gerade in dieser hitzigen Zeit vor Ort erheblich erweitert. Der anschließende Studientag am Dienstag von Gil Yaron zur Entwicklung des jüdischen Staates bot ein perpektivisches Kontrastprogramm dazu, welches aber nicht minder interessant war.

So sind wir des Studiums noch nicht müde und freuen uns auf neue spannende Veranstaltungen, die uns nicht nur theologisch weiterbilden, sondern auch unsere landeskundlichen Kenntnisse vertiefen. Im November geht es dann nach Galiläa für 12 Tage. Dort werden wir in Tabgha die Möglichkeiten haben – neben einem gut gefüllten Exkursionsprogramm – unseren müden Leib am See Genezareth etwas zu entspannen.

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