Galiläa-Exkursion

Tag 1 – 10.11.

Früh morgens brachen wir zu unserer zweiten großen Exkursion nach Galiläa auf. Auf dem Weg dorthin machten wir zunächst einen Halt in Bet Alpha, um uns dort das Bodenmosaik einer Synagoge aus dem 6. Jahrhundert unserer Zeit anzusehen. Dieses dreiteilige, von einigen als naiv bezeichnete Kunstwerk wurde uns von Femke vorgestellt. Nach diesen eindrucksvollen kleinen bunten Steinen wendeten wir uns ebenso eindrucksvollen, aber größeren Steinen in Bet Shean zu. Ronja führte uns zunächst durch die hellenistisch-römische Unterstadt, danach stellte uns unser Studiendekan Thomas die verschiedenen Siedlungsschichten des Tells vor. Es folgte eine Mittagspause aus traditionellem Exkursionsfood – Pita mit Humus und Gemüse – und eine Fahrt nach Hammat Tiberias, wo Steffen uns durch die Badanlagen und zu einem weiteren Bodenmosaik einer Synagoge aus dem Ende des vierten Jahrhunderts führte. Letzteres hatte eine erstaunliche Ähnlichkeit mit dem Bodenmosaik aus Bet Alpha, war jedoch wesentlich weniger naiv. Den Abschluss des ersten Exkursionstages bildete Jans Präsentation des alten Tiberias anhand der Ausgrabungsstätten. Gegen Nachmittag trafen wir dann in Tabgha ein und bezogen unsere Unterkunft für die nächsten 10 Nächte, das Beit Noah. Pater Matthias von dem Priorat in Tabgha führte uns dann durch die Brotvermehrungskirche und die Anlagen des Klosters. Die Abende wurden durch Andachten der Studierenden in Dalmanutha abgerundet.

Tag 2 – 11.11.

Der zweite Tag startet mit einer Besichtigung der Ausgrabungen des Omajadenschlosses in Khirbet al Minya. Da diese archäologische Besonderheit relativ spontan aufgenommen wurde, war unser restliches Tagesprogramm recht straff geplant. So hielten wir zunächst in Baram, wo Jan uns eine ziemlich ansehnlich restaurierte Synagoge präsentierte. Peer las uns aus Elias Chacours „Und dennoch sind wir Brüder“ die entsprechende Passage zu Biram durch. Daraufhin konnten wir den seit 1948 verlassenen Ort selbst erkunden. Nach einer Führung von Thomas über den Ort Omrit, auf welchem der herodianische Tempel für Augustus verortet wird, stellte uns Anna-Sophie den vielfältigen Ort Banias, Caesarea Philippi, vor. Den Ausflugsabschluss bildete der Besuch des Har Bental, ein Fleckchen auf den Golanhöhen, von wo aus man auf Syrien blicken konnte und in dem Café „Coffee Annan“ bei einem Stück Kuchen und einer Tasse Kaffee die Eindrücke des Tages Revue passieren lassen konnte.

Tag 3 – 12.11.

Am Morgen ging es mit Ludger Bornemann, Priester des Pilgerhauses des Deutschen Vereins im Heiligen Land, nach Nazareth, durch welches er uns führte und uns die wichtigsten Gedenkstätten des Christentums in dieser Stadt präsentierte, unter anderem die Verkündigungsbasilika und die Josefskirche. Mittags fuhren wir dann gemeinsam mit Ludger Bornemann zum Fuße des Berg Tabors und bestiegen diesen dann. Oben wurden wir nicht nur mit der Möglichkeit eines Espressos, sondern auch mit einer beeindruckenden Sicht über die Jesreelebene belohnt. Auch der Besuch der Verklärungsbasilika der Franziskaner auf dem Berg Tabor war der Weg herauf wert, sodass der Sonnenuntergang an diesem ganz besonderen Ort ein toller Ausflugsabschluss mit einem stimmigen Ende bildete.

Tag 4 – 13.11.

Nach einem Besuch der Primatskapelle in Tabgha machten wir uns auf, um den Berg Arbel zu erklimmen. Dabei konnten wir die Ruinen einer Drusenfestung besichtigen und auf unserem Weg auf den Gipfel die Natur Galiläas bestaunen. Erfolgreich oben angekommen ging es dann weiter nach Kursi zur Besichtigung der Ausgrabung einer byzantinischen Klosteranlage. Der Ausflug wurde durch die Erkundung der beeindruckenden Stadt Hippos beendet, welche uns einmal mehr die Besonderheiten einer Dekapolisstadt vorführte.

Tag 5 – 14.11.

So ziemlich auf der Mitte unserer Reise als einen Höhepunkt der besonderen Art wurde das Brotvermehrungsfest in Tabgha gefeiert. Anlässlich dieses Festes reiste des Priorat aus Jerusalem nach Tabgha, die Mitarbeiter, sowie viele arabische Christen aus der Umgebung. Wir feierten gemeinsam Messe, gehalten von dem Jerusalemer Patriarchen, bei der auch die Schola des Studienjahres mitwirkte. Danach gab es einen Empfang auf dem Gelände des Klosters. Am Nachmittag veranstalteten „wir“, also das Studienjahr und die Mönche, einen Mitarbeiterdankkaffee für die fleißigen Helfer in beiden Klöstern. Dieses schöne Fest wurde von einer gemeinsamen Vesper abgerundet.

Tag 6 – 15.11.

Der Sonntag der Exkursion ist ein Ruhetag im wahrsten Sinne des Wortes. Der Tag war frei, sodass wir Studierenden die Freiheit hatten, uns zu erholen, die Umgebung auf eigene Faust zu erkunden oder die Eindrücke der letzten Tage produktiv zu verarbeiten. Einige von uns haben den Berg der Seligpreisung besichtigt, andere sind in Tabgha geblieben, haben sich ausgeruht und das geistige Angebot des Klosters genutzt, wieder andere haben sich das Hula-Reservat angesehen oder sind nach Tiberias gefahren. Am Abend haben unsere Studienassistenten Steffen und Peer ein köstliches 3-Gänge-Menü mit dem Motto „Grün“ für uns gekocht.

Tag 7 – 16.11.

Der Start in unsere zweite Exkursionswoche begann direkt mit einem Motorschaden – allerdings bereits auf dem Weg unseres Jerusalemer Busfahrers rauf zu uns nach Tabgha. Deswegen fand eine kurzfristige Planänderung statt und wir sind bis nach Kaphernaum gelaufen, wo uns Julia durch die Ausgrabungen geführt hat. In der Zwischenzeit war ein neuer Bus aus Jerusalem angereist und nach einem kleinen Stopp am Beit Noah ging es für uns weiter nach Korazim, welches uns von Joel vorgestellt wurde. Nachdem wir uns noch kurz selbst einen Überblick über die Ausgrabungen des Dorfes verschafft haben, reisten wir weiter nach Sepphoris. Leider verzögerte sich unser Reise durch stockenden Verkehr etwas, sodass wir vor Ort leider nur sehr wenig Zeit hatten. Zudem regnete es – zum ersten Mal auf unserer Reise. Dennoch waren die Funde, vor allem die Mosaike, die uns auf pagane Weise von Lukas und in einer Synagoge von André vorgestellt wurden, wirklich beeindruckend.

Tag 8 – 17.11.

Nach der Planänderung vom Vortag fand nun mit 24 Stunden Verspätung der Besuch von Magdala statt. Die Ausgrabungen wurden uns von Wilfried vorgestellt, der uns eine Führung der anderen Art bot. Gleich danach ging es weiter nach Bet Shearim, wo uns Laurens die Besonderheiten dieser Nekropole näher brachte. Die vielen unterschiedlichen Gräber waren recht beeindruckend. Nahal Mearod wurde nicht nur für das Mittagessen aufgesucht, sondern auch, um sich Karsthöhlen aus der Alt- und Neusteinzeit anzuschauen. Der Tag schloss mit dem Besuch von Caesarea Maritima und mit der dortigen Führung von Tobias. Leider hat es Jan währenddessen niedergestreckt, sodass unsere Gruppe in geschrumpfter Größe die herodianischen Baubesonderheiten erkundete. Ein paar Mutige stürzten sich zum Abschluss in die Wellen des Mittelmeeres.

Tag 9 – 18.11.

Der Morgen des neunten Tages begann mit einer ganz besonderen Besichtigung, nämlich dem Besuch der Rekonstruktionsarbeiten einer Synagoge in Umm el Kanatir. Die Einsichten in diese Arbeit waren für alle sehr spannend, da der Blick auf den Rekonstruktionsprozess die Archäologie zum Leben erweckte. Nach diesem interessanten Besuch und einer lebhaften Führung folgte eine Wanderung zum israelischen Stonehenge, den Steinkreisen von Gilgal Refaim. Thomas stellte uns drei Deutungsmöglichkeiten vor, wir konnten noch etwas die Mystik des Ortes erkunden, dann ging es auf unserer Reise über den Golan weiter nach Gamla. Die Ausgrabungen dort wurden von Julia geführt und wir konnten noch Spuren der römischen Eroberung feststellen. Den Tagesabschluss bildete der Besuch des Museums in Qazrin – und der örtlichen Brauerei, welches bei einem Großteil der Gruppe auf freudigem Anklang stieß.

Tag 10 – 19.11.

Auf den letzten zwei Tagen unserer Galiläaexkursion wurden wir von Prof. Dr. Gunnar Lehmann begleitet. Viel mehr noch – wir wurden von ihm durch die Ausgrabungen geführt, was nach vielen studentischen Führungen eine Erfrischung war, da nun der Fachmann ans Werk durfte. Zunächst ging es für uns nach Tel Dan, wo wir nicht nur eine alte Kultstätte anschauen, sondern auch unser erstes Kammertor wahrnehmen durften, ein Erlebnis, das sich in den nächsten 48 Stunden häufiger wiederholen sollte. In Tel Hazor wurde dann unsere Erkundung der Kammertore fortgesetzt, aber auch die Kenntnis von kultischen Orten vertieft. Der letzte Tagespunkt wurde durch den Besuch von Bethsaida oder zumindest den Besuch des Ortes gebildet, welcher als Bethsaida erinnert wird. Gunnar Lehmann legte uns seine Zweifel nahe, aber auch dort wartete ein Kammertor darauf, von uns inspiziert zu werden. Die Erlebnisse wurden abends durch ein gemeinsames Grillen in Tabgha mit den Mönchen, Mitarbeitern und Volontären beschlossen.

Tag 11 – 20.11.

Nach 10 spannenden Tagen hieß es dann Zeit für die Abreise. Nach einer zeitintensiven Endreinigung des Beit Noahs führte Gunnar Lehmann uns nach Jesreel. Die Ausgrabungen dort wurden leider nicht didaktisch so aufbereitet, wie wir es gewohnt waren, dafür war dieser Ort jedoch bezüglich der neueren Geschichte recht interessant, da dort mal ein arabisches Dorf stand, zumindest bis 1948. Von da aus reisten wir nach Meggido. Da Prof. Lehmann dort selbst gegraben hat, war die Führung besonders lebhaft. Außerdem bot Meggido einen guten Einblick in die verschiedenen Bebauungsschichten einer Stadt, die wir begehen konnten. Unser letzter Exkursionsort war Dor. Dieser ruhige Ort an der Mittelmeerküste war allerdings nicht nur archäologisch interessant, sondern lud auch zu einem Spaziergang am Strand oder einem kurzen Bad im Mittelmeer bei angenehm warmen Temperaturen ein, bevor es dann zurück für uns nach Jerusalem ging.

Alles in allem war diese Exkursion ein sehr abwechslungsreiches und interessantes Erlebnis, welches auf unterschiedliche Weisen von der ganzen Gruppe genossen wurde.

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