Ab in den Süden!

Nachdem wir uns im letzten Semester gen Osten nach Jordanien und in den Norden nach Galiläa begeben haben, startete die erste größere Exkursion des Sommersemesters in den Süden. Am Mittwoch, 20. Januar 2016, verließen wir in aller Frühe das Beit Joseph, um zunächst nach Massada zu fahren. Dort liefen wir den Snake Path zu den Ruinen der herodianischen Festung hinauf. Oben angekommen, führte uns Christian durch die Ausgrabungen und demonstrierte an einem Modell das Wasserleitsystem von Massada. Nachdem alle die römische Rampe hinuntergefunden hatten, hieß es: auf nach Arad! Eine wirklich beeindruckende Ausgrabung, die wir durch Führungen von Steffen und Stefan erkunden konnten. Ein Höhepunkt von Arad war das Heiligtum des Soldatentempels. Unsere beiden Assistenten bewiesen einmal mehr ihre unbegrenzten Fähigkeiten als Allrounder, indem sie uns die adäquate Verhaltensweise als Götzendiener in einer Keltinsche nahebrachten. Zum Ausflugsabschluss wurde uns eine schöne Aussicht über Machtesch Ramon (ein Krater!) bei Sonnenuntergang geboten, sodass wir dann den Weg zu unserem Nachtlager, Kibbutz Ketura, anstreben konnten.

Am nächsten Tag erwartet uns eine Führung durch den Kibbutz von dem freundlichen Mitarbeiter Schlomo und seiner Hündin. Wir konnten die Solar- und Algenfelder, die wirtschaftlichen Hauptarbeitspunkte des Kibbutzes, und die sozialen Einrichtungen besichtigen. Als Highlight präsentierte uns Schlomo den ersten Sätzling einer Dattelpalme, die aus den Überresten der auf Massada gefundenen judäischen Datteln gezogen wurde. Tagesausflugspunkt war der Nationalpark Timna, den wir wegen seiner Kupferminen, Inschriften und des Harthortempels besichtigten. Thomas führte uns durch die unterschiedlichen Orte der Wüstenlandschaft. Dieser Ausflug in die Wüste endete mit einer langen Heimfahrt zurück nach Jerusalem. Die Südexkursion bot einen guten Auftakt in die zweite Hälfte der studienjährlichen Landeserkundungen.

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Islamisch-christliche Werkwochen

Vom 5. bis zum 18. Januar 2016 fanden die islamisch-christlichen Werkwochen im Studienjahr statt. Deswegen bekamen wir Besuch von 5 muslimischen Studierenden aus Deutschland, mit denen wir 2 Wochen lang gemeinsam lernten und in Jerusalem lebten. Wir hatten zusammen zwei Vorlesungen, eine bei Pater Felix Körner SJ und Ömer Öszoy zum Begriff „Geschichte“ im Islam und im Christentum und die andere bei Mouhanad Khorchide und Angelika Neuwirth zum Wirken Gottes in der Welt aus der Sicht des Korans. Dabei konnten wir Zeugen angeregter Diskussionen werden. Spannend war zu sehen, wie die Dozenten untereinander (und mit einigen Studierenden) die Inhalte dieser noch recht jungen Wissenschaft des deutschen Hochschulsystems diskutierten und aus verschiedenen Perspektiven beleuchteten. Doch besonders bereichernd für den interreligiösen Dialog waren die Gespräche unter den Studierenden außerhalb der Vorlesungen. Auf persönlicher und wissenschaftlicher Ebene konnten wir die Kenntnisse über die jeweils andere Religion vertiefen und nette Bekanntschaften untereinander schließen. Außerdem war es sehr schön, die mittlerweile gewonnene Ortskenntnis an unsere Gäste bei Ausflügen und Stadttouren vermitteln zu können. Ein großes Highlight der Werkwochen war der Besuch des Harams mit Angelika Neuwirth. Wir hatten sogar die Möglichkeit, den Felsendom und die Al-Aqsa-Moschee von Innen zu besichtigen. Dies war ein Erlebnis, welches allen Studierenden noch einige Zeit in Erinnerung bleiben wird.

 

Besuch des Bundespräsidenten

Am 6. Dezember 2015 wurde das Studienjahr nicht nur vom Nikolaus besucht, sondern die Dormitio bekam auch noch anderen hohen Besuch. Joachim Gauck, der Bundespräsident der BRD,feierte mit uns eine ökumenische Vesper an diesem Sonntag. Danach hatten die Voluntäre und Studierenden noch die Möglichkeit, kurz mit ihm ins Gespräch zu kommen. Auch dieses Event der Weihnachtszeit war für uns alle recht eindrücklich.

Von Advent bis Epiphanie im Studienjahr

Alsbald nach unserer Galiläa-Exkursion war das Kirchenjahr so weit vorangeschritten, dass ein neues und damit für uns die Adventszeit begann. Bei frühlingshaften Temperaturen, ausbleibendem „Hohoho“ von Kaufhausweihnachtsmännern und wenig musikalisch-trashiger Beschallung auf fehlenden Adventsmärkten war es für uns als deutsche Durchschnittsbürger zunächst recht schwierig, in vorweihnachtliche Stimmung zu verfallen. Dem wurde jedoch schnell nachgeholfen. Zunächst durch das Bemühen einiger Weihnachtsbäckereien, die unser Studienjahr mit Keksen versorgt haben. Das gemeinsame Bauen eines Adventskranzes für die Basilika sorgte nicht nur für passende Gerüche, sondern konnte auch gleichzeitig unseren Vorlesungssaal mit Grünzeug, welches nicht gebraucht wurde, versorgen. Also trudelte so langsam auch weihnachtliche Deko in das Beit Joseph ein. Neben den wirklich besinnlichen Roratemessen im Kerzenschein, gab es auch Filmabende mit Weihnachts“klassikern“, um uns den Advent nach Jerusalem zu holen.

Dabei darf nicht der traditionelle Nikolausabend vergessen werden, der von den Studierenden organisiert und zusammen mit der Studienleitung, den Volontären, unserem Sekretär Manfred und den Mönchen am 6.12. gefeiert wurde. Nach einem gemeinsamen Abendessen folgte ein buntes Programm und der Besuch des Nikolaus, der uns nicht nur für unsere kleinen Makel rügte, sondern uns auch mit einem Stutenkerl/Weckmann für unsere guten Eigenschaften belohnte. Der ganze Abend gipfelte in einer Überraschungsparty in unserem Speisesaal, die bis in die frühen Morgenstunden andauerte.

Und schlussendlich war es so weit. Der Heilige Abend stand bevor und für uns alle, die wir hier in Jerusalem Weihnachten gefeiert haben, war diese Heilige Nacht wohl eine sehr besondere Nacht. Unser gemeinsames Fest begann mit einem familiären Kaffeetrinken und Kuchenessen unter den Bewohnern des Beit Joseph am Nachmittag des 24. Dezembers. Dann folgten die Gottesdienste zum Heiligen Abend in der Dormitio, welche durch unser Abendessen unterbrochen wurde. Um Mitternacht trafen wir uns alle zur Vigil in der Dormitio-Basilika und machten uns danach auf unseren Weg nach Bethlehem, um die Namensrolle der Weihnachtsaktion 2015 in der Geburtsgrotte auf den Stern niederzulegen. Der Weg nach Bethlehem mitten in der Nacht hat viele interessante Gespräche und einige tolle Eindrücke hervorgebracht. Zum Abschluss dieser besonderen Nacht wurden die Laudes in der Hieronymusgrotte gesungen und alle machten sich auf den Weg zurück nach Jerusalem. Am 25. Dezember wurden unsere Feierlichkeiten von einem gemeinsamen Mittagessen mit den Mönchen, den Volontären und unseren Gästen in unserem Vorlesungssaal abgeschlossen.

Die Weihnachtszeit war zugleich Ferienzeit, sodass die Studienjährler alle verstreut durchs Land oder durch Deutschland und der Schweiz gestreift sind. Am 5. Januar 2016 startete dann das zweite Semester und wurde am 6. Januar direkt durch die Feier der Epiphanie des Herrn unterbrochen. Die Besonderheit dieses Tages für unser Studienjahr zeigte sich am Nachmittag: Das Beit Joseph bekam Besuch von den Sternsängern und unsere Gemeinschaftsräume wurden gesegnet. Dann zogen wir gemeinsam hinüber in die Kirche und in das Kloster, um dort die Vesper zu feiern und die Räumlichkeiten zu segnen. Als Abschluss gab es Pizza im Diwan.

Für uns alle hier in Jerusalem war die Advents- und Weihnachtzeit dieses Kirchenjahres ein ganz besonderes und neues Erlebnis, welches wir auf solch eine Weise wohl in Deutschland nicht erleben werden.