Abschiedsvorlesung TFP

Am Mittwochabend, 16.3.2016, versammelten sich die Studierenden zusammen mit einigen Gästen und Freunden des Theologischen Studienjahrs in der Dormitio-Basilika, um der letzten Vorlesung von Thomas Fornet-Ponse in seiner Funktion als Dekan und Inhaber des Laurentius-Klein-Lehrstuhls für Biblische und Ökumenische Theologie zu lauschen. Nach einer musikalischen Eröffnung durch Bruder Simeon und Johannes begrüßte der Abt alle Anwesenden zu der Abendveranstaltung.

Dann folgte Thomas‘ Vorlesung zum Verhältnis von Archäologie und Systematischer Theologie. Irritierend suchte er einen Einstieg über Beowulf, aber so war auch ein gewisser tolkienischer Anteil gewahrt. Dann ritten wir durch die Disziplinen. Thomas führte uns das Selbstverständnis von Archäologie und Systematischer Theologie noch einmal vor Augen, resümierte einiges von dem, was wir in unserer Zeit hier gelernt haben. Die Aussagekraft von materialer Kultur, der Tempelbau in En Gedi, Hazor und Meggido und die Rückschlüsse von Ahnenkulten auf eine Jenseitsvorstellung waren nur einige Schlaglichter. Es wäre nicht Thomas‘ Vorlesung, wenn nicht eine Aussage über Wahrscheinlichkeiten und eine Verknüpfung zur Interkulturalität gefallen wären. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass wir TFP in einer komprimierten Form erlebt haben – nur Monty Python hat uns etwas gefehlt. So war die Vorlesung nicht nur ein guter Abschied für Thomas von seinen Aufgaben als Dekan, sondern für uns Studierende auch ein guter Rückblick auf 8 Monate Studium.

Nach Grußworten von Herrn Walbiner vom DAAD und Schwester Marie-Madeleine als Vertreterin des Forums Studienjahr pilgerten alle Gäste gemeinsam zum Empfang im Diwan des Klosters, wo bei Wein, Saft und Canapés vieles noch einmal in geselliger Runde besprochen wurde und der Abend in geselliger Runde seinen Ausklang fand.

Werbeanzeigen

Gastvorträge im Studienjahr

Neben all unseren Lehrveranstaltungen sind auch die Gastvorträge ein wichtiger Bestandteil der akademischen Weiterbildung im Studienjahr. Dieses Jahr durften wir einen bunten Strauß an Themen vorgestellt bekommen. So wurden wir über die Archäologie in Nazareth, jüdische Gesetzescorpora in Baden-Württemberg, Besonderheiten der Genesis, muslimische Philosophen und vieles mehr informiert. Allerdings waren für uns die politischen Vorträge zur aktuellen Lage in Israel und Palästina die wohl ertragreichsten Abendveranstaltungen unseres Jahres hier: Markus Rosch, der die aktuelle Lage in Gaza schilderte, Breaking the Silence, die uns einen Einblick in den Alltag der IDF gegeben haben, und Peter Beerwerth, der aus diplomatischer Perspektive über die Westbank und den Gazastreifen sprach. So konnten wir unsere Erfahrungen im Land wissenschaftlich weiterverarbeiten.

Eine gute Ergänzung zu den Gastvorträgen waren auch die drei Görres-Lectures, die wir während unserer Studienzeit miterleben durften: Vlastimil Drall zu Ausgrabungen in der Nähe von Hebron, Angelika Neuwirth über Jerusalem im Koran und Raúl Fornet y Betancourt zum Verhältnis von Theologie und Philosophie.

Negev

Wir schreiben das Jahr 2016. Es ist der 8. März. Und zum ersten Mal in unserer gemeinsamen Zeit durften wir eine Tagesexkursion im Studienjahr erleben, die trotz Pleiten, Pech und Pannen letzten Endes ziemlich schön war!

5.45 Uhr. Wir stehen am Schulchan David, viele von uns noch ziemlich müde und im Halbschlaf, und warten auf Ludfi und den Bus, der uns in den Negev bringen soll, damit wir unsere letzte Wüstenexkursion begehen können. Neben uns 21 Studierenden und 3 Studienleitern warten noch eine große Menge an Gästen auf den Beginn der Reise.

6 Uhr. Weder Ludfi noch der Bus in Sichtweite. Die Studienleitung informiert uns darüber, dass die Einfahrt des Busunternehmens zugeparkt ist und Ludfi mit dem Bus nicht zu uns kommen kann. Er würde aber nach einer Notlösung suchen.

6.20 Uhr. Ludfi kommt – mit dem kleinen Bus. Fast alle Exkursionteilnehmer passen hinein. Nur Lukas sitzt, Pardon, schläft im Gang.

6.30 Uhr. Bus gewechselt, alle haben einen Sitzplatz und los geht die Reise. Die Zufahrt zum Busunternehmen ist nun auch wieder freigeparkt und Ludfi manövriert uns gewohnt gekonnt auf die Straßen Israels. Jetzt sind wir erstmal gut 2,5 Stunden unterwegs.

9.30 Uhr. Mampsis. Nach einem Kaffeestop führt Thomas uns durch die Ausgrabungen. Es ist ziemlich heiß, dennoch sind wir bester Laune. Die Baukunst der Nabatäer ist beeindruckend und Herr Frevel ist auf der Suche nach dem nabatäischen Tempel, der dummerweise von einer byzantinischen Basilika überbaut wurde. Wäre Gunnar Lehmann nur hier – die Kirche hätte ihre beste Zeit hinter sich!

12:00 Uhr. En Avdat. Nachdem die Wanderung durch die Schlucht schon während der Südexkursion aus zeitlichen Gründen ausfallen musste, lassen wir uns von unserer argen Verzögerung nicht beeindrucken und machen uns auf unsere Wanderung. Der Weg ist ganz schön und das Gruppenfoto vor dem kleinen Wasserfall ist eine weitere Bereicherung für unser Studienjahrs-Familienalbum. Alles scheint ziemlich gut für uns zu laufen – da haben wir allerdings die Rechnung ohne israelische Schulklassen gemacht. Eine unsagbare Stunde haben wir warten müssen, um endlich aus der Schlucht aussteigen zu können, da die Kids sich jede Menge Zeit für den Aufstieg gelassen haben und wir so noch weiter mit unserem Zeitplan in Verzögerung kamen.

14.00 Uhr. Mittagspause. Danach führt Max uns durch die Ausgrabungen von Avdat. Ziemlich beeindruckend, einmal selbst da zu sein, nachdem man die Bilder schon aus der Fotoshow im Israelmuseum kannte. Dort fanden wir auch den von uns in Mampsis gesuchten Nabatäertempel.

17.00 Uhr. Ankunft in Shivta. Die untergehende Sonne taucht die Ausgrabungen in ein besonderes Licht. Philipp führt uns nun durch alle sehenswerten Bauten. Wir machen sogar an der Bank Halt, auf der Martin Noth 1968 verstorben ist. Mit Einbruch der Dunkelheit verlassen wir die Wüste Negev und fahren zurück nach Jerusalem. Müde und erschöpft, aber dennoch glücklich über eine trotz aller Widrigkeiten gelungenen Exkursion treffen wir gegen 20.30 Uhr im Beit Joseph ein.

Kreuzfahrerexkursion

Als Highlight des zweiten Semesters und gleichzeitig im Rahmen unserer letzten großen Exkursion im Studienjahr folgten wir den Spuren der Kreuzfahrer fünf Tage lang durch das Heilige Land. Eine große Bereicherung für die Exkursion war die Begleitung von Professor Jaspert, der uns schon in seiner Vorlesung zuvor bestens auf die Exkursion vorbereitet hat und mit seinem Fachwissen die Erkundung der einzelnen Orte noch lebendiger wirken ließ. Vier Tage der Exkursion verbrachten wir im wunderschönen Galiläa, welches uns mit altbekannten Ritualen (Kochen der Studenten, Andachten am Abend in Dalmanutha, etc.) und neuen Eindrücken erwartete.

Am ersten Tag (23.2.16) zog es uns jedoch erst einmal in die nähere Umgebung Jerusalems. Wir starteten nach Ramla, wo uns Nicolas die kreuzfahrerzeitlichen Reste und die muslimische Nachnutzung der Gebäude präsentierte. Ein großer Spaß war dort das Bootsfahren in der Helenazisterne. In Lod zeigte Peer uns eine weitere mögliche Nachnutzung einer kreuzfahrerzeitlichen Basilika, nämlich die Georgskirche als geteiltes Gebäude in griechisch-orthodoxer Kirche und Moschee. Nach diesen beiden verregneten Ausflugszielen empfing uns in Appolonia strahlender Sonnenschein und ein tiefblaues Mittelmeer. Außerdem führte uns Thomas durch die Ausgrabungen der Kreuzfahrerfestung. Bevor es zum Abschluss der Exkursion zu der Jesusbruderschaft nach Latrun ging, entdeckten wir mit Sarahs Hilfe und ihrer kompetenten Anleitung die Ruinen der Kreuzfahrerkirche in Emmaus-Nikopolis. Nach unserem Kurztrip nach Latrun zog es uns zurück ins heimische Jerusalem. Der erste Tag erhöhte unsere Vorfreude auf die Zeit in Galiläa noch mehr.

Am Mittwoch (24.2.16) war es endlich so weit und wir fuhren mit gepackten Koffern in den Norden. Auf unserem Weg machten wir zunächst Halt auf halber Strecke zwischen Jerusalem und Jericho, um uns die Herberge des Barmherzigen Samariters anzuschauen. Vielmehr das gleichnamige Museum, welches Mosaike aus den besetzen Gebieten ausstellt. Danach zog es uns zu unserer ersten wirklich großen Burg der Exkursion, nach Belvoir, welches uns Lisa mit ihrer Führung näher brachte. Der Ort machte seinem Namen alle Ehre und wir konnten bei gutem Wetter und frühlingshaften Temperaturen eine tolle Sicht genießen. Eine tolle Sicht bei sommerlichen Temperaturen begleitete Peers Führung über die Ausgrabungen der Ankerkirche in Tiberias. Nach einer kleinen Wanderung fuhren wir in die Innenstadt der City am See Genezareth, besichtigen das Grab des Maimonides und suchten dort nach kreuzfahrerlichen Spuren mit mäßigem Erfolg. Am Abend erreichten wir dann unsere Residenz für die nächsten 3 Nächte, das von uns allen gemochte Beit Noah in Tabgha – diesmal sogar mit gefülltem Pool!

Tag drei der Exkursion (25.2.16) stand ganz im Zeichen der interaktiven Eigenerkundung. Zunächst zog es uns nach Nimrod. Nach einer kurzen Einführung von Thomas durften wir mit der Unterstützung eines Quizzes die Burg selbst entdecken, was bei einigen Studierenden zu einer Menge Spaß und Erfüllung von Kindheitsträumen führte. Als alle wieder eingesammelt waren, ging es für uns nach Safed. Dort hatten wir nach einer kurzen Besichtigung der Zitadelle die Gelegenheit, die Stadt etwas zu erkunden, was wir bei strahlendem Sonnenschein alle genossen. Zum krönenden Abschluss des Tages wanderten wir zu den Hörner von Hattin. Die Wanderung wurde – ganz traditionell – von einem Theaterstück begleitet, welches die schauspielerischen Talente einiger Studierenden zum Vorschein brachte.

Der vierte Tag (26.2.16) stand ganz im Zeichen großer Burgen und Festungen. Am Morgen starteten wir zu einer wunderbaren Wanderung zu der romantischsten Burg Israels, Montfort. Da wir nun mal in einem National Reserve und keinem Nationalpark waren, zeigte sich uns der Unterschied dahin gehend, dass nichts touristisch erschlossen und erklärt war. Auch dies war ein schönes Erlebnis für uns. Unser weiterer Weg führte uns aus  der Wildnis nach Jude’in, eine touristisch erschlossene Burg. Doch ganz im Zeichen unseres abenteuerlustigen Studienjahres ging es danach wieder in die Pampas, zu einem kreuzfahrerlichen Gehöft in Horvat Ga’aton, welches archäologisch jedoch noch nicht erschlossen wurde, sodass wir all unsere erworbenen Fähigkeiten anwenden konnten. Zum Tagesabschluss fuhren wir an die israelisch-libanesische Grenze, nach Rosh HaNikra. Dort erwartete uns zwar nichts Kreuzfahrerliches, jedoch eine wunderschöne Grotte, das Mittelmeer und weiterhin sommerliches Wetter.

Der letzte Tag der Exkursion führte uns in die Kreuzfahrermetropole schlechthin, nach Akko. Vor Ort hatten wir jede Menge Zeit, um die Stadt eigenständig zu entdecken, was sehr angenehm war, da man sich die Sehenswürdigkeiten selbst erschließen konnte. Neben der Zitadelle und dem Templertunnel bot die neuzeitliche Stadt Akko auch jede Menge spannende  Ecken, die uns in ihren Bann zogen, wie z.B. der Hafen oder der Suq.

Zusammen mit der Vorlesung zu den Kreuzfahrern war diese Exkursion nicht nur sehr lehrreich, sondern auch ein perfekter Abschluss der Reihe „Große Exkursionen im Studienjahr“, die uns noch nachhaltig in unserem geschichtlichen Denken prägen und in Erinnerung bleiben wird.