Von Advent bis Epiphanie im Studienjahr

Alsbald nach unserer Galiläa-Exkursion war das Kirchenjahr so weit vorangeschritten, dass ein neues und damit für uns die Adventszeit begann. Bei frühlingshaften Temperaturen, ausbleibendem „Hohoho“ von Kaufhausweihnachtsmännern und wenig musikalisch-trashiger Beschallung auf fehlenden Adventsmärkten war es für uns als deutsche Durchschnittsbürger zunächst recht schwierig, in vorweihnachtliche Stimmung zu verfallen. Dem wurde jedoch schnell nachgeholfen. Zunächst durch das Bemühen einiger Weihnachtsbäckereien, die unser Studienjahr mit Keksen versorgt haben. Das gemeinsame Bauen eines Adventskranzes für die Basilika sorgte nicht nur für passende Gerüche, sondern konnte auch gleichzeitig unseren Vorlesungssaal mit Grünzeug, welches nicht gebraucht wurde, versorgen. Also trudelte so langsam auch weihnachtliche Deko in das Beit Joseph ein. Neben den wirklich besinnlichen Roratemessen im Kerzenschein, gab es auch Filmabende mit Weihnachts“klassikern“, um uns den Advent nach Jerusalem zu holen.

Dabei darf nicht der traditionelle Nikolausabend vergessen werden, der von den Studierenden organisiert und zusammen mit der Studienleitung, den Volontären, unserem Sekretär Manfred und den Mönchen am 6.12. gefeiert wurde. Nach einem gemeinsamen Abendessen folgte ein buntes Programm und der Besuch des Nikolaus, der uns nicht nur für unsere kleinen Makel rügte, sondern uns auch mit einem Stutenkerl/Weckmann für unsere guten Eigenschaften belohnte. Der ganze Abend gipfelte in einer Überraschungsparty in unserem Speisesaal, die bis in die frühen Morgenstunden andauerte.

Und schlussendlich war es so weit. Der Heilige Abend stand bevor und für uns alle, die wir hier in Jerusalem Weihnachten gefeiert haben, war diese Heilige Nacht wohl eine sehr besondere Nacht. Unser gemeinsames Fest begann mit einem familiären Kaffeetrinken und Kuchenessen unter den Bewohnern des Beit Joseph am Nachmittag des 24. Dezembers. Dann folgten die Gottesdienste zum Heiligen Abend in der Dormitio, welche durch unser Abendessen unterbrochen wurde. Um Mitternacht trafen wir uns alle zur Vigil in der Dormitio-Basilika und machten uns danach auf unseren Weg nach Bethlehem, um die Namensrolle der Weihnachtsaktion 2015 in der Geburtsgrotte auf den Stern niederzulegen. Der Weg nach Bethlehem mitten in der Nacht hat viele interessante Gespräche und einige tolle Eindrücke hervorgebracht. Zum Abschluss dieser besonderen Nacht wurden die Laudes in der Hieronymusgrotte gesungen und alle machten sich auf den Weg zurück nach Jerusalem. Am 25. Dezember wurden unsere Feierlichkeiten von einem gemeinsamen Mittagessen mit den Mönchen, den Volontären und unseren Gästen in unserem Vorlesungssaal abgeschlossen.

Die Weihnachtszeit war zugleich Ferienzeit, sodass die Studienjährler alle verstreut durchs Land oder durch Deutschland und der Schweiz gestreift sind. Am 5. Januar 2016 startete dann das zweite Semester und wurde am 6. Januar direkt durch die Feier der Epiphanie des Herrn unterbrochen. Die Besonderheit dieses Tages für unser Studienjahr zeigte sich am Nachmittag: Das Beit Joseph bekam Besuch von den Sternsängern und unsere Gemeinschaftsräume wurden gesegnet. Dann zogen wir gemeinsam hinüber in die Kirche und in das Kloster, um dort die Vesper zu feiern und die Räumlichkeiten zu segnen. Als Abschluss gab es Pizza im Diwan.

Für uns alle hier in Jerusalem war die Advents- und Weihnachtzeit dieses Kirchenjahres ein ganz besonderes und neues Erlebnis, welches wir auf solch eine Weise wohl in Deutschland nicht erleben werden.

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Galiläa-Exkursion

Tag 1 – 10.11.

Früh morgens brachen wir zu unserer zweiten großen Exkursion nach Galiläa auf. Auf dem Weg dorthin machten wir zunächst einen Halt in Bet Alpha, um uns dort das Bodenmosaik einer Synagoge aus dem 6. Jahrhundert unserer Zeit anzusehen. Dieses dreiteilige, von einigen als naiv bezeichnete Kunstwerk wurde uns von Femke vorgestellt. Nach diesen eindrucksvollen kleinen bunten Steinen wendeten wir uns ebenso eindrucksvollen, aber größeren Steinen in Bet Shean zu. Ronja führte uns zunächst durch die hellenistisch-römische Unterstadt, danach stellte uns unser Studiendekan Thomas die verschiedenen Siedlungsschichten des Tells vor. Es folgte eine Mittagspause aus traditionellem Exkursionsfood – Pita mit Humus und Gemüse – und eine Fahrt nach Hammat Tiberias, wo Steffen uns durch die Badanlagen und zu einem weiteren Bodenmosaik einer Synagoge aus dem Ende des vierten Jahrhunderts führte. Letzteres hatte eine erstaunliche Ähnlichkeit mit dem Bodenmosaik aus Bet Alpha, war jedoch wesentlich weniger naiv. Den Abschluss des ersten Exkursionstages bildete Jans Präsentation des alten Tiberias anhand der Ausgrabungsstätten. Gegen Nachmittag trafen wir dann in Tabgha ein und bezogen unsere Unterkunft für die nächsten 10 Nächte, das Beit Noah. Pater Matthias von dem Priorat in Tabgha führte uns dann durch die Brotvermehrungskirche und die Anlagen des Klosters. Die Abende wurden durch Andachten der Studierenden in Dalmanutha abgerundet.

Tag 2 – 11.11.

Der zweite Tag startet mit einer Besichtigung der Ausgrabungen des Omajadenschlosses in Khirbet al Minya. Da diese archäologische Besonderheit relativ spontan aufgenommen wurde, war unser restliches Tagesprogramm recht straff geplant. So hielten wir zunächst in Baram, wo Jan uns eine ziemlich ansehnlich restaurierte Synagoge präsentierte. Peer las uns aus Elias Chacours „Und dennoch sind wir Brüder“ die entsprechende Passage zu Biram durch. Daraufhin konnten wir den seit 1948 verlassenen Ort selbst erkunden. Nach einer Führung von Thomas über den Ort Omrit, auf welchem der herodianische Tempel für Augustus verortet wird, stellte uns Anna-Sophie den vielfältigen Ort Banias, Caesarea Philippi, vor. Den Ausflugsabschluss bildete der Besuch des Har Bental, ein Fleckchen auf den Golanhöhen, von wo aus man auf Syrien blicken konnte und in dem Café „Coffee Annan“ bei einem Stück Kuchen und einer Tasse Kaffee die Eindrücke des Tages Revue passieren lassen konnte.

Tag 3 – 12.11.

Am Morgen ging es mit Ludger Bornemann, Priester des Pilgerhauses des Deutschen Vereins im Heiligen Land, nach Nazareth, durch welches er uns führte und uns die wichtigsten Gedenkstätten des Christentums in dieser Stadt präsentierte, unter anderem die Verkündigungsbasilika und die Josefskirche. Mittags fuhren wir dann gemeinsam mit Ludger Bornemann zum Fuße des Berg Tabors und bestiegen diesen dann. Oben wurden wir nicht nur mit der Möglichkeit eines Espressos, sondern auch mit einer beeindruckenden Sicht über die Jesreelebene belohnt. Auch der Besuch der Verklärungsbasilika der Franziskaner auf dem Berg Tabor war der Weg herauf wert, sodass der Sonnenuntergang an diesem ganz besonderen Ort ein toller Ausflugsabschluss mit einem stimmigen Ende bildete.

Tag 4 – 13.11.

Nach einem Besuch der Primatskapelle in Tabgha machten wir uns auf, um den Berg Arbel zu erklimmen. Dabei konnten wir die Ruinen einer Drusenfestung besichtigen und auf unserem Weg auf den Gipfel die Natur Galiläas bestaunen. Erfolgreich oben angekommen ging es dann weiter nach Kursi zur Besichtigung der Ausgrabung einer byzantinischen Klosteranlage. Der Ausflug wurde durch die Erkundung der beeindruckenden Stadt Hippos beendet, welche uns einmal mehr die Besonderheiten einer Dekapolisstadt vorführte.

Tag 5 – 14.11.

So ziemlich auf der Mitte unserer Reise als einen Höhepunkt der besonderen Art wurde das Brotvermehrungsfest in Tabgha gefeiert. Anlässlich dieses Festes reiste des Priorat aus Jerusalem nach Tabgha, die Mitarbeiter, sowie viele arabische Christen aus der Umgebung. Wir feierten gemeinsam Messe, gehalten von dem Jerusalemer Patriarchen, bei der auch die Schola des Studienjahres mitwirkte. Danach gab es einen Empfang auf dem Gelände des Klosters. Am Nachmittag veranstalteten „wir“, also das Studienjahr und die Mönche, einen Mitarbeiterdankkaffee für die fleißigen Helfer in beiden Klöstern. Dieses schöne Fest wurde von einer gemeinsamen Vesper abgerundet.

Tag 6 – 15.11.

Der Sonntag der Exkursion ist ein Ruhetag im wahrsten Sinne des Wortes. Der Tag war frei, sodass wir Studierenden die Freiheit hatten, uns zu erholen, die Umgebung auf eigene Faust zu erkunden oder die Eindrücke der letzten Tage produktiv zu verarbeiten. Einige von uns haben den Berg der Seligpreisung besichtigt, andere sind in Tabgha geblieben, haben sich ausgeruht und das geistige Angebot des Klosters genutzt, wieder andere haben sich das Hula-Reservat angesehen oder sind nach Tiberias gefahren. Am Abend haben unsere Studienassistenten Steffen und Peer ein köstliches 3-Gänge-Menü mit dem Motto „Grün“ für uns gekocht.

Tag 7 – 16.11.

Der Start in unsere zweite Exkursionswoche begann direkt mit einem Motorschaden – allerdings bereits auf dem Weg unseres Jerusalemer Busfahrers rauf zu uns nach Tabgha. Deswegen fand eine kurzfristige Planänderung statt und wir sind bis nach Kaphernaum gelaufen, wo uns Julia durch die Ausgrabungen geführt hat. In der Zwischenzeit war ein neuer Bus aus Jerusalem angereist und nach einem kleinen Stopp am Beit Noah ging es für uns weiter nach Korazim, welches uns von Joel vorgestellt wurde. Nachdem wir uns noch kurz selbst einen Überblick über die Ausgrabungen des Dorfes verschafft haben, reisten wir weiter nach Sepphoris. Leider verzögerte sich unser Reise durch stockenden Verkehr etwas, sodass wir vor Ort leider nur sehr wenig Zeit hatten. Zudem regnete es – zum ersten Mal auf unserer Reise. Dennoch waren die Funde, vor allem die Mosaike, die uns auf pagane Weise von Lukas und in einer Synagoge von André vorgestellt wurden, wirklich beeindruckend.

Tag 8 – 17.11.

Nach der Planänderung vom Vortag fand nun mit 24 Stunden Verspätung der Besuch von Magdala statt. Die Ausgrabungen wurden uns von Wilfried vorgestellt, der uns eine Führung der anderen Art bot. Gleich danach ging es weiter nach Bet Shearim, wo uns Laurens die Besonderheiten dieser Nekropole näher brachte. Die vielen unterschiedlichen Gräber waren recht beeindruckend. Nahal Mearod wurde nicht nur für das Mittagessen aufgesucht, sondern auch, um sich Karsthöhlen aus der Alt- und Neusteinzeit anzuschauen. Der Tag schloss mit dem Besuch von Caesarea Maritima und mit der dortigen Führung von Tobias. Leider hat es Jan währenddessen niedergestreckt, sodass unsere Gruppe in geschrumpfter Größe die herodianischen Baubesonderheiten erkundete. Ein paar Mutige stürzten sich zum Abschluss in die Wellen des Mittelmeeres.

Tag 9 – 18.11.

Der Morgen des neunten Tages begann mit einer ganz besonderen Besichtigung, nämlich dem Besuch der Rekonstruktionsarbeiten einer Synagoge in Umm el Kanatir. Die Einsichten in diese Arbeit waren für alle sehr spannend, da der Blick auf den Rekonstruktionsprozess die Archäologie zum Leben erweckte. Nach diesem interessanten Besuch und einer lebhaften Führung folgte eine Wanderung zum israelischen Stonehenge, den Steinkreisen von Gilgal Refaim. Thomas stellte uns drei Deutungsmöglichkeiten vor, wir konnten noch etwas die Mystik des Ortes erkunden, dann ging es auf unserer Reise über den Golan weiter nach Gamla. Die Ausgrabungen dort wurden von Julia geführt und wir konnten noch Spuren der römischen Eroberung feststellen. Den Tagesabschluss bildete der Besuch des Museums in Qazrin – und der örtlichen Brauerei, welches bei einem Großteil der Gruppe auf freudigem Anklang stieß.

Tag 10 – 19.11.

Auf den letzten zwei Tagen unserer Galiläaexkursion wurden wir von Prof. Dr. Gunnar Lehmann begleitet. Viel mehr noch – wir wurden von ihm durch die Ausgrabungen geführt, was nach vielen studentischen Führungen eine Erfrischung war, da nun der Fachmann ans Werk durfte. Zunächst ging es für uns nach Tel Dan, wo wir nicht nur eine alte Kultstätte anschauen, sondern auch unser erstes Kammertor wahrnehmen durften, ein Erlebnis, das sich in den nächsten 48 Stunden häufiger wiederholen sollte. In Tel Hazor wurde dann unsere Erkundung der Kammertore fortgesetzt, aber auch die Kenntnis von kultischen Orten vertieft. Der letzte Tagespunkt wurde durch den Besuch von Bethsaida oder zumindest den Besuch des Ortes gebildet, welcher als Bethsaida erinnert wird. Gunnar Lehmann legte uns seine Zweifel nahe, aber auch dort wartete ein Kammertor darauf, von uns inspiziert zu werden. Die Erlebnisse wurden abends durch ein gemeinsames Grillen in Tabgha mit den Mönchen, Mitarbeitern und Volontären beschlossen.

Tag 11 – 20.11.

Nach 10 spannenden Tagen hieß es dann Zeit für die Abreise. Nach einer zeitintensiven Endreinigung des Beit Noahs führte Gunnar Lehmann uns nach Jesreel. Die Ausgrabungen dort wurden leider nicht didaktisch so aufbereitet, wie wir es gewohnt waren, dafür war dieser Ort jedoch bezüglich der neueren Geschichte recht interessant, da dort mal ein arabisches Dorf stand, zumindest bis 1948. Von da aus reisten wir nach Meggido. Da Prof. Lehmann dort selbst gegraben hat, war die Führung besonders lebhaft. Außerdem bot Meggido einen guten Einblick in die verschiedenen Bebauungsschichten einer Stadt, die wir begehen konnten. Unser letzter Exkursionsort war Dor. Dieser ruhige Ort an der Mittelmeerküste war allerdings nicht nur archäologisch interessant, sondern lud auch zu einem Spaziergang am Strand oder einem kurzen Bad im Mittelmeer bei angenehm warmen Temperaturen ein, bevor es dann zurück für uns nach Jerusalem ging.

Alles in allem war diese Exkursion ein sehr abwechslungsreiches und interessantes Erlebnis, welches auf unterschiedliche Weisen von der ganzen Gruppe genossen wurde.

Und über dem allen, mein Sohn, lass dich warnen; denn des vielen Büchermachens ist kein Ende, und viel Studieren macht den Leib müde. (Pred 12,12)

Kurz nach unserer Exkursion nach Jordanien hat der Universitätsbetrieb seinen normalen und geregelten Lauf genommen. Dies war ein gutes Kontrastprogramm zu der Jordanienexkursion, da wir uns nun – nachdem wir ein persönliches Bild voneinander gewinnen konnten – unsere akademischen Stärken und Vorlieben präsentieren durften. Andreas Holzem und Volker Leppin starteten direkt mit der ersten Veranstaltung zu unserem Jahresthema, das Handeln Gottes in der Geschichte. In dem Seminar der beiden Professoren beschäftigten wir uns mit der Rechtfertigungslehre aus evangelischer und katholischer Sicht. Dies war für alle sehr spannend und der Dikussionsertrag war auch nach den Sitzungen recht ansehnlich. Frau Professorin Axt-Piscalar konnte dann mit ihrer Veranstaltung zum Handeln Gottes aus dogmatischer Sicht sehr gut auf das bereits erlernte aufbauen und wir lernten die Vorteile des Studienjahres sehr zu schätzen, dass die Lerninhalte nicht nur wesentlich intensiver vermittelt werden (aufgrund ihrer komprimierten Form in Blöcken), sondern die Verknüpfung der Erträge durch die zeitlich recht enggefassten Räume anders und schneller vollzogen wird als im bisher gewohnten Unialltag. Mark Sheridan führte uns in die Welt der Ostkirche ein und illustrierte dies mit ansehnlichen Anekdoten und privaten Bildern von ökumenischen Dialogen, die er geführt hat. Abt Gregory Collins brachte uns die christliche Mystik auf spannende und lebhafte Weise nahe und unser Studiendekan Thomas Fornet-Ponse nimmt gemeinsam mit uns die Frage, (wie) Gott in der Geschichte handelt, noch einmal genauer unter der Lupe. Gunnar Lehmann führte uns im Crashkurs durch die Grundlagen der biblischen Archäologie und die Funde zur vermutlichen Geschichte des israelitischen Volkes. So sind wir mitten in unserem Thema und zugleich mitten im ökumenischen Geschehen.

Begleitet wurde unser Unileben in den letzten Wochen von den jüdischen Feiertagen, in die wir durch zahlreiche Angebote im Land einen Einblick gewinnen konnten. So besuchten einige Studierende Synagogengottesdienste zu Yom Kippur und während Sukkot zierte eine Sukka unseren Garten, welche von einigen Männern und unserem Gärtner Baruch errichtet wurde. 8 Tage lang war die Laubhütte ein beliebter Treffpunkt für Studenten und Studentinnen, sowie Professoren und die Professorin, in welcher auch hitzige Debatten über die Veranstaltungsinhalte geführt werden konnten.

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Letzte Woche besuchten wir Tel-Aviv. Dort durften wir einen Einblick in die Arbeit der Deutschen Botschaft in Israel erlangen, haben uns das weiße Viertel mit dem recht ansehlichen Bauhaus-Stil angeschaut und wurden von Prof. Dr. Asa Kasher mit einem Vortrag zur israelischen Bioethik in der Universität von Tel-Aviv empfangen. Tamar Avraham eröffnete die neue Woche mit einer spannenden Tagesexkursion durch Ost-Jerusalem und die jüdischen Siedlungen, welche uns die Politik und Konfliktsituation des Landes plastisch vor Augen führte. Dies war sehr lehrreich für uns und hat unseren Horizont gerade in dieser hitzigen Zeit vor Ort erheblich erweitert. Der anschließende Studientag am Dienstag von Gil Yaron zur Entwicklung des jüdischen Staates bot ein perpektivisches Kontrastprogramm dazu, welches aber nicht minder interessant war.

So sind wir des Studiums noch nicht müde und freuen uns auf neue spannende Veranstaltungen, die uns nicht nur theologisch weiterbilden, sondern auch unsere landeskundlichen Kenntnisse vertiefen. Im November geht es dann nach Galiläa für 12 Tage. Dort werden wir in Tabgha die Möglichkeiten haben – neben einem gut gefüllten Exkursionsprogramm – unseren müden Leib am See Genezareth etwas zu entspannen.

Wer in die Wüste geht und wiederkehrt, ist nicht mehr der Selbe.

Dieses arabische Sprichwort hat uns während unserer Exkursion durch die Wüste Jordaniens begleitet. Schon Prior Ralph verabschiedete uns am Montagabend (7.9.) mit diesen Worten. Und sowohl das arabische Sprichwort wie auch Prior Ralph sollten in diesem Falle Recht behalten.

Tage zuvor begannen schon unsere Vorbereitungen. StudienjährlerInnen entwickelten auf einmal Fähigkeiten von Meisterfriseuren und so wurden Männlein wie Weiblein wüstentauglich gestylt. Letzte Besorgungen bezüglich Hygieneartikeln und Wanderzubehör wurden getätigt und dann waren alle startklar.

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Am Dienstagmorgen ging es in der Früh los nach Jordanien. Schwer bepackt mit Wüstengepäck und Wanderausrüstung machten sich die 21 Studierenden, der Studiendekan Thomas Fornet-Ponse, die Studienassistenten Steffen Götze und Peer Otte und unser Studienpräfekt Bruder Simeon auf nach Jordanien. Nach einer längeren Busfahrt kamen wir dann am frühen Nachmittag mit unserem Guide Ahmad im Wadi Rum an – und los ging unsere Reise. Die Sicht war bedingt durch einen syrischen Sandsturm, der sich noch einige Tage halten sollte, recht eigeschränkt. Nach einer kürzeren Wanderung erreichten wir unser erstes Nachtlager. Die Beduinen erwarteten uns bereits mit Tee und einem aufgebautem Diwan – einem Anblick, der uns nun regelmäßig begegnen sollten – und wir durften einen ersten Eindruck von den reichhaltigen Mahlzeiten bekommen, die uns die nächsten 6 Tage erwarteten.

Am nächsten Tag traten wir dann unsere Wanderung tiefer in das Wadi Rum hinein an. Wir besichtigten die Laurence Quelle, nabatäische Wasseraufbereitungsbecken und das Laurencehaus. Unser zweites Nachtlager war weniger windgeschützt gelegen, sodass wir alle am nächsten Morgen mit einer Sandmaske im Gesicht aufwachten.

Der Donnerstag hielt eine kurze Wanderung zu unserem dritten Lager für uns bereit, welches unser neues „Zuhause“ für die nächsten drei Nächte sein sollte. Dabei passierten wir eine Felsbrücke, die von unseren mutigen Teilnehmern erklommen wurde. Der Nachmittag stand dann zur freien Verfügung, was die einen zum Ausruhen und Dösen im Schatten der Felsen nutzen und die anderen eher zu eigenen Entdeckungstouren ermutigte. Doch alle konnten mit Freude feststellen, dass die Sicht klarer wurde und wir unsere Umgebung besser wahrnehmen konnten.

Auf der Hälfte unserer Zeit im Wadi Rum erwartete uns der Wüstentag. Obwohl jeder Tag für uns auf seine Art und Weise ein Tag in der Wüste war, hat der Wüstentag der Exkursion im Studienjahr noch einmal eine ganz eigene und besondere Bedeutung. Dieser Tag ist zur Einkehr gedacht. Nach dem Frühstück wurden wir von Bruder Simeon mit einigen erbauenden Worten in die Einsamkeit entlassen. Jeder und jede von uns machte sich dann auf zu einem selbstgewählten Platz in der Nähe des Lagers und verbrachte den Tag in Schweigen, Bibel lesend, Eindrücke sammelnd. Beendet wurde diese recht besondere Zeit mit einem gemeinsamen Gottesdienst.

Tag fünf in der Wüste hielt für unsere Gruppe ein starkes Kontrastprogramm zum Vortag bereit. Morgens wurden wir mit Jeeps abgeholt und auf den Ladeflächen zum höchsten Berg Jordaniens (Dschabal Umm ad-Dami) transportiert. Dabei konnten wir die Wüstenlandschaft richtig genießen und hatten noch einmal einen anderen Eindruck der felsigen Landschaft. Außerdem lieferten sich die Beduinen am Steuer der Jeeps kleine Rennen und Verfolgungsjagden – ein Spaß für (fast) alle Autoinsassen. Am Abend erwartete uns dann eine Überraschung. Wir bekamen zum einen den ersten Skorpion auf dieser Reise zu sehen und zum anderen regnete es – in der Wüste! Trotz einer Wettervorhersage von 0% Regenwahrscheinlichkeit sollten wir in den nächsten Nächten immer mal wieder eine kurze regnerische Erfrischung bekommen.

Der Sonntag verlief wieder recht ruhig. Nach einer kurzen Wanderung zum letzten Nachtlager im Wadi Rum hatten wir noch etwas Zeit für uns. Am Nachmittag durften wir Zeugen eines beeindruckenden Naturschauspiels namens Sandsturm mit Böen und Windhosen werden – ein Spektakel an special effects, welches unsere Studienassistenten liebevoller Weise für Femke zu ihrem Geburtstag an dem Tag bestellt hatten.

Am Montag verließen wir dann mit einer kurzen Jeepfahrt das Wadi Rum und fuhren in einem Reisebus bis zum Wadi Hesa, in dem wir am Nachmittag hinabstiegen. Das Wadi Hesa führt ganzjährig Wasser und so war es ein ansprechender und wirklich grüner Kontrast zu dem kargen, sandigen und trockenen Wadi Rum. Entlang des Baches liefen wir dann bis zu unserem Nachtlager – das an einem Wasserfall lag. Das erste Mal „waschen“ nach 7 Tagen wurde von allen dankend ausgenutzt und trotz Algen und Wasserbewohnern nahmen alle eine Dusche im Wasserlauf. Auf unserem Weg zum Nachtlager wurde Laurens jedoch beim Feuerholzsammeln von einer Hornisse in die Oberlippe gestochen. Das war nicht nur schmerzhaft, sondern sein Gesicht schwoll auch an.

Am nächsten Morgen wurde deshalb beschlossen, dass wir vorzeitig das Wadi Hesa verlassen und Laurens zum Arzt kommt, da das Hornissengift sich weiter in seinem Gesicht verteilt hatte. So zogen wir unseren Weg zurück und wurden nach einer unfreiwilligen Mittagspause im Niemandsland von unserem Reisebus nach Kerak, wo Laurens einen Arzt aufsuchen konnte und wir die Kreuzfahrerfestung Crac des Moabites besichtigten. Für viele war dieses kulturelle Programm nach den Wüstentagen in Abgeschiedenheit eine echte Erholung. Andere bedauerten unseren früheren Aufbruch aus dem Wadi Hesa. Eines hatten wir jedoch alle gemeinsam: am Abend erreichten wir, einen Tag früher als gedacht, das Franziskanerkloster auf dem Berg Nebo – unser letztes Lager der Reise für die nächsten zwei Nächte. Der Blick auf die Umgebung war sehr eindrücklich. Zu unserer großen Freude durften wir bei den Franziskanern eine richtige Dusche einnehmen, ein wahrer Genuss für unsere Gruppe. Nachts zog ein Gewitter auf, sodass wir nach dem Luxus der Reinigung auch noch eine Übernachtung im Gästehaus des Klosters beschert bekamen. Alle waren recht froh, dass wir bei dem Unwetter nicht mehr im Wadi Hesa waren und am nächsten Tag sollten wir erfahren, dass die geplante Übernachtungsstätte durch die Regenfälle einen Meter unter Wasser stand.

Bedingt durch den verfrühten Aufbruch aus der Wüste in die Zivilisation improvisierten unser Guide Ahmad und die Studienleitung rasch ein ansprechendes Alternativprogramm. So konnten wir am Mittwoch in aller Ruhe die beiden Dekapolisstädte Jerash/Gerasa und Gadara entdecken. Abends hielt Laurens dann für die Gruppe einen Taizé-Gottesdienst, der das Ende unserer Reise einläutete. Nach einer weiteren Nacht auf dem Nebo brachen wir am Donnerstag die Heimreise an. Zuvor wurde noch die Mosaikkarte von Madaba, die herodianische Festung Machärus, in der Johannes der Täufer enthauptet worden sein soll, sowie die Taufstelle Jesu am Jordan besichtigen. Der Grenzübergang an der Allenby/King-Hussein-Bridge war auch alsbald hinter uns gebracht und so saßen wir alle im Bus nach Hause, nach Jerusalem.

Ahmad meinte bei seiner Verabschiedung zu uns, dass Jordanien wie eine ansteckende Krankheit sei. Hat man sie einmal erwischt, würde man sie auch nicht mehr los. Festzustellen ist, dass wir in den Tagen nach unserer Rückkehr alle gedanklich noch stark in Jordanien und in der Wüste hängen. Wir StudienjährlerInnen werden noch von den Eindrücken dieses Abenteuers begleitet. Inwieweit sie zu einer ansteckenden Krankheit werden, die wir nicht mehr loswerden, wird sich dann zeigen. Eindeutig ist jedoch, dass diese Krankheit sehr zuträglich für unsere Studierendengruppe war – haben wir uns vorher schon gut verstanden, so ist der Zusammenhalt untereinander nach diesen spannenden Tagen nur noch stärker geworden. In Bezug auf das 42. Studienjahr sollten also Prior Ralph und das arabische Sprichwort Recht behalten: wir sind nicht mehr die Selben, sondern eine glückliche Gruppe von Studierenden, die gemeinsam stolz auf diese Auftaktexkursion zurückblicken darf.

Zwischen „naim meod“ und „tsarafna“. Unsere erste Vorlesungswoche im Studienjahr.

Die erste Vorlesungswoche liegt nun hinter uns. Mit Markus Lau sind wir die Mauern und Straßen der Jerusalemer Altstadt entlang gegangen, haben den Ölberg erklommen und die Gräber des Kidrontals erkundet. Durch das Zusammenspiel von Vorlesung und Exkursion konnten wir Wachstum und Geschichte der Stadt erleben. Außerdem wurde unser fachlicher Wortschatz durch Begriffe wie „herodianischer Spiegelquader“ und „hasmonäischer Bossenquader“ bedeutend erweitert.

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Auch die Exkursion nach Yad Vashem mit Tamar Avraham war sehr eindrücklich. Das Museum hat uns einen starken Einblick in die Geschichte des Holocaust und seine Auswirkungen für das Land Israel gegeben, auf eine recht emotionale und prägende Weise. Auch die Gedenkstätten für die Kinder, für die nichtjüdischen Helfer im Holocaust oder für die zerstörten jüdischen Gemeinden verfehlten ihren pädagogischen Auftrag nicht. Anschließend haben wir noch den Militärfriedhof auf dem Herzlberg besichtigt, der ebenfalls einen starken Eindruck der israelischen Geschichte vermitteln konnte.

Des Weitern ist zu berichten, dass die ersten Stunden der Sprachkurse von uns erlebt wurden. Wir sind nun befähigt, uns auf Ivrith und Arabisch brüchig vorzustellen und – zumindest auf Arabisch – unser Missfallen auszudrücken, welches von einigen Studienjährlern auch gerne mit einem beherzten „su hada!“ getan wird.

Vor uns liegt nun eine Woche mit Rabbi Bollag, weiteren Vorlesungen und Exkursionen mit Markus Lau, einem Studientag in Bethlehem und einer ersten Wanderung durch das Wadi Qelt als Vorbereitung auf die Jordanienexkursion. So werden wir auch weiterhin das Land mit unseren Füßen und Augen erfassen.

Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir. (Hebr 13,14)

42 ist die Antwort auf die Frage aller Fragen, auf die Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest. Das weiß jeder, der Douglas Adams‘ „Per Anhalter durch die Galaxis“ gelesen oder eine entsprechende Verfilmung gesehen hat. 42 bedeutet für uns wohl weniger die Antwort auf die Frage aller Fragen sondern der Beginn eines ganzen Straußes an Fragen, deren Beantwortung noch gänzlich unklarIMG_0384 ist und die wahrscheinlich auch nicht garantiert werden kann. Wir, dass sind 21 Studierende der Theologie aus Deutschland und der Schweiz, die am 42. Theologischen Studienjahr in Jerusalem in der Dormitio Abtei teilnehmen.

In den kommenden 8 Monaten werden wir nicht nur gemeinsam im Beit Josef leben, sondern uns auch unserem Vorlesungsprogramm mit dem Leitthema „Heilsgeschichte und Weltgeschichte. Das Wirken Gottes in der Welt und die Geschichtlichkeit von Glaube und Theologie“ widmen. Teil des ganzen werden auch zahlreiche größere und kleinere Exkursion sein, bei denen wir nicht nur das Heilige Land kennenlernen, sondern auch unsere erlernte Theorie praktisch erfahren können.

Die Einführungswoche liegt nun hinter uns. Letztes Wochenende sind alle 21 Studentinnen und Studenten wohl behalten und auch nur mit wenigen Gepäcknachlieferungen im Beit Josef angekommen. Zunächst hat sich die Gruppe untereinander und dann auch die Umgebung kennen gelernt. Wir haben unseren Bewegungsradius durch Wanderungen auf dem Zion, einer Altstadtrallye sowie einer Tagesexkursion zu umliegenden wichtigen Punkten für das Studienjahr sukzessive erweitert. Dabei haben wir auch erste Einblicke in das politische Spannungsfeld erhaschen können, in dem wir uns hier befinden. Ein Highlight dieser Einführungswoche war unser Eröffnungsgottesdienst am Mittwochabend.

Gegipfelt hat dann diese Woche in dem Pontifikalamt des Patroziniumsfestes (Mariae Himmelfahrt) der Dormitio. Groß angekündigt hat es wohl weder die Erwartungen der katholischen, noch der neugierig gewordenen evangelischen Studierenden enttäuscht. Dieser Anlass regte ebenso zu ersten interkonfessionellen Diskussionen an, die wohl im Laufe des Studienjahres vertieft werden.

Heute hat für unser der offizielle Teil der Vorlesungen begonnen. Wir werden in dieser Woche mit Tamar Avraham Yad Vaschem besuchen und die Altstadtmauer und weitere Sehenswürdigkeiten der Geschichte Jerusalems mit Markus Lau zusammen erkunden. Eine spannende Zeit liegt vor uns – in der wir die bleibende Stadt entdecken werden und uns Gedanken über eine zukünftige machen werden.